Recruiting, Azubis, Führung, Lernkultur, Betriebsalltag. Wir reden über das, was in der Ausbildung trägt ... und über das, was längst lauwarme Brühe ist.
Mit Gästen, die auch mal anderer Meinung sind. Die das Alte verteidigen dürfen. Die das Neue hinterfragen müssen. Kein Lagerdenken, kein Besserwissen, keine moralische Keule. Wir drehen den Spiegel nicht auf die junge Generation, sondern auf uns selbst.
Du musst kein Fachmensch sein, um reinzuhören. Aber du kommst als Fachmensch raus.
Kein Experte, der von oben erklärt. Kein Moderator, der sich selbst zuhört.
Alexander Steffen ist der, den du nach der Arbeit noch kurz anrufst. Weil er das Thema kennt, weil er ehrlich ist und weil das Gespräch mit ihm meistens länger dauert als geplant. Gut so.
Er hat Ausbildung nicht studiert, sondern macht sie täglich. Kennt Fehler, eigene wie fremde. Und hat trotzdem ... oder genau deshalb ... Lust, darüber zu reden.
Jede Folge fängt mit derselben Frage an. Die ist unverhandelbar:
Kaffee oder Mate?
Danach wird's ehrlich. Wir nehmen uns ein Thema vor, drehen es um und gucken drunter. Aufgenommen werden meist 60 Minuten. Kein künstliches Lachen an den richtigen Stellen.
Du machst Ausbildung anders. Du hast eine Meinung, die aneckt. Oder du verteidigst das Alte mit guten Gründen. Dann lass uns reden.
Kaffee & Mate ist nicht kommerziell. Keine Honorare, keine versteckte Werbung, kein Gast wird hier zur Litfaßsäule für sein eigenes Produkt. Aufgenommen wird remote über Riverside, das dauert ungefähr eine Stunde.
Schreib mir einfach: hello@asteffen.de
Prüfung oder Notaufnahme? Wie aus der Vorbereitungswoche eine Rettungsaktion wurde ... und wer die ganze Zeit danebenstand.
Ein Azubi. Zeugnisdurchschnitt 5,3. Und nie ein Gespräch. Nie.
Das ist kein Ausreißer, das ist das System. Senouci Allam bereitet mit eduTECS jedes Jahr hunderte Azubis auf die IHK-Prüfung vor und sieht genau, was ankommt, wenn alle anderen schon abgehakt haben. Sein Befund: Vor fünf, sechs Jahren war die Vorbereitungswoche der letzte Feinschliff auf 90 Prozent. Heute ist sie die Notaufnahme. Anruf eine Woche vor der Prüfung, ob man abbrechen soll. Feuerwehrwoche bis 22 Uhr. Bestanden mit 52 Punkten. Gerade so.
Und schuld ist ... nein, nicht der Azubi. Der wurde durchgereicht. Die Berufsschule schreibt Excel-Klausuren auf Papier, die IHK prüft am Rechner. Zwei Wochen vor der Prüfung soll die Flipchart erklären, wie man drei Prozent von einem Rechnungsbetrag ausrechnet. Alle sehen es kommen. Keiner nimmt den Hörer ab. Und wenn man fragt, wer eigentlich zuständig wäre, sagt jede Instanz denselben Satz: nicht mein Bereich.
Alex und Senouci legen die Lücke zwischen Berufsschule, Betrieb und IHK offen und reden Klartext darüber, was Betriebe sofort tun könnten und sich sparen. Kein Fingerpointing auf LinkedIn. Ein Teams-Kanal, den mal jemand aufmacht.
Am Ende wird es Fußball. Weil Fehlermachen der ganze Punkt ist ... nur traut sich keiner mehr in den Zweikampf.
Worum es geht:
⚡ Von 90 Prozent zum letzten Strohhalm: wie das Niveau kippte und warum das kein Zufall ist
❌ Die Blackbox zwischen Berufsschule und Betrieb ... und keiner räumt sie auf
❌ 5,3 im Zeugnis, kein einziger Anruf: wenn Frühwarnung einfach nicht stattfindet
⚡ Excel auf Papier, Prüfung am Rechner: das Gap, das die IHK ausbadet
❌ „Nicht mein Bereich" ... der Satz, an dem Azubis scheitern
⚡ Schein durchziehen oder ehrlich abbrechen? Zwei Generationen, ein Streit
⚡ Wenn zwei Buchhalter ein Marketing-Thema bewerten: die mündliche Prüfung als Lotterie
⚡ Der Ausbilder auf dem Stand von vor 20 Jahren, und warum das keine Schande ist
⚡ Fehlerkultur, Fußball und die Flanke, die erst nach dem verlorenen Zweikampf fällt
Kapitel
(0:00) – Intro & Vorstellung Senouci Allam
(1:34) – Kaffee oder Mate?
(2:13) – Wie sich Azubis und Prüfungsvorbereitung verändert haben
(3:23) – Gründung während Corona & digitale Lernformate
(5:47) – Präsenz, online oder hybrid?
(7:13) – Wie aktiv sind Azubis in digitalen Kursen?
(9:29) – Früher Bestnoten, heute Prüfungs-Survival
(12:08) – Wo schulische Grundlagen fehlen
(14:52) – Berufsschule, Betrieb & IHK: Kommunikation als Schlüssel
(17:49) – Der SOS-Fall eine Woche vor der Abschlussprüfung
(20:11) – Ausbildung abbrechen kurz vor dem Abschluss?
(23:02) – Warum Probleme oft viel zu spät erkannt werden
(25:34) – Wie Betriebe Azubis frühzeitig unterstützen können
(29:18) – Was sich bei IHK-Prüfungen verbessern könnte
(33:53) – Brauchen auch Ausbilder mehr Unterstützung?
(39:15) – Wohin entwickelt sich die Ausbildung?
(43:20) – Fehler machen dürfen: Was Ausbildung vom Fußball lernen kann
(45:23) – Wer diese Episode hören sollte
(46:49) – Outro
Reden oder annehmen? Ihr sprecht über die Jungen. Gefragt hat sie keiner.
In fast jedem Betrieb fällt irgendwann dieser Satz: "Die sehen das sicher so und so." Susanne Vietz fragt dann zurück: Habt ihr sie mal gefragt? Die Antwort ist erstaunlich oft nein.
Susanne nennt sich Generationenübersetzerin. Sie war mit 15 selbst Lehrling, mit 23 Führungskraft in einem Konzern, heute ist sie Trainerin und psychologischer Coach in Salzburg. Sie kennt also alle drei Perspektiven. Und sie sagt: Der Satz, den sie am häufigsten übersetzen muss, ist nicht Jugendsprache. Es ist "die Jungen wollen nicht mehr arbeiten".
Wir reden darüber, was passiert, wenn ein Betrieb anruft und sagt "unser Lehrling funktioniert nicht". Warum Susanne solche Aufträge auch schon abgelehnt hat. Und warum der Ausweg fast nie über neue Benefits läuft, sondern über eine Frage, die sich kaum jemand stellt: Verstehe ich eigentlich mich selbst?
Darum geht's:
☕ "Früher war alles besser" ... warum wir das alle sagen werden und was das Gehirn damit zu tun hat
🐠 Aufmerksamkeitsspanne wie ein Goldfisch? Die Schlagzeile ohne wissenschaftliche Basis
🛴 E-Scooter am ersten Tag: Benefits als Übertrumpfen und was das über Hilflosigkeit verrät
💘 Recruiting wie Tinder: wenn beim fünften Date rauskommt, dass du gar keine Bergschuhe hast
🔍 Den USP der Ausbildung findet man nicht ... er entsteht im Gehen
🧠 Präfrontaler Cortex fertig mit 28: Ärgern kannst du dich super gern, ändern wird es nichts
🗣️ Azubis im Auswahlverfahren: strenger als die Ausbildungsleitung
📋 Bautagebuch, Berichtsheft, Urlaubsregel: Konsequenzen erlebbar machen statt androhen
⚖️ Und wenn sich keiner an die Regel hält: Liegt es an den Azubis oder an der Regel?
"Weniger annehmen, mehr nachfragen."
Wir haben auch die unbequeme Frage gestellt: Susannes Branche lebt vom Generationenkonflikt. Kein Graben, kein Übersetzungsbedarf, kein Auftrag. Hat sie also ein wirtschaftliches Interesse daran, dass die Kluft bleibt? Ihre Antwort ist offener, als man erwarten würde.
Am Ende steht kein Werkzeugkoffer, sondern eine Zeitreise. Wie warst du selbst mit 15? Wer diese Frage ehrlich beantwortet, braucht danach vielleicht keine Übersetzerin mehr.
Kapitel
(0:00) – Intro
(1:03) – Susanne Vietz: Von der Lehrling zur Generationenübersetzerin
(3:16) – Ausbildung in Österreich und Deutschland im Vergleich
(4:38) – Die häufigsten Missverständnisse zwischen Jung und Alt
(6:09) – Warum früher aus unserer Sicht oft besser war
(8:16) – Digitalisierung, Aufmerksamkeit und Informationsflut
(10:13) – Drei Perspektiven: Lehrling, Führungskraft und Trainerin
(14:53) – Wenn Unternehmen wegen Generationenkonflikten Hilfe suchen
(17:57) – Verständnis statt Vorurteile in der Ausbildung
(19:19) – Authentisches Recruiting statt Benefit-Wettbewerb
(22:34) – Warum Benefits allein keine Azubis überzeugen
(24:22) – Den echten USP der Ausbildung finden
(28:14) – Azubis aktiv ins Recruiting einbinden
(30:39) – Braucht es Generationenübersetzer überhaupt dauerhaft?
(33:11) – Entwicklungspsychologie statt Generationenschubladen
(35:30) – Der wichtigste Rat für Ausbilder: Zuhören
(38:35) – Regeln erklären statt einfach durchsetzen
(41:29) – Konsequenzen, Verantwortung und faire Grenzen
(43:14) – Weniger annehmen, mehr nachfragen
(45:15) – Wer diese Folge unbedingt hören sollte
(46:30) – Abschlusssätze: Interesse zeigen und mehr zuhören
Lauter oder besser? Warum Sichtbarkeit im Recruiting kein Zauberstab ist
„Wir machen doch schon alles." Anzeigen laufen, die Messe war teuer, Insta postet fleißig Obstkörbe... und trotzdem kommt hinten nicht das raus, was du brauchst. Zu wenige Bewerbungen. Und die, die kommen, passen nicht.
Der Reflex ist immer derselbe. Lauter drehen. Mehr Budget, mehr Kanäle, mehr Reichweite.
Nadine Strein sagt: genau da liegt der Denkfehler. Sichtbarkeit ist kein Zauberstab. Sie ist ein Lautsprecher. Wenn die Botschaft nicht sitzt, machst du sie damit nur lauter... nicht besser.
Nadine ist Strategieberaterin für Nachwuchsgewinnung, dreifache Mama mitten in der Zielgruppe und schaut sich Recruiting von außen an... um genau die Stellen zu finden, an denen es bricht. Ihre These ist unbequem: „Es gibt halt keine passenden Bewerber mehr" ist selten ein Mangelproblem. Es ist ein Hausaufgabenproblem.
Worüber wir reden:
- Warum mehr Reichweite ein kaputtes Schaufenster nur voller macht
- Der Wunschazubi... und warum deine besten Azubis dir sagen, wo er steckt
- Radikale Ehrlichkeit statt „familiärer Atmosphäre" und „starte deine Zukunft bei uns"
- Warum Sicherheit bei einer verunsicherten Generation plötzlich wieder zieht
Und am Ende die Frage, die bleibt: Was muss in der Ausbildung sterben, damit sie überlebt?
Kapitel
(0:00) – Intro
(1:04) – „Wir machen doch schon alles“ – Der größte Denkfehler im Azubi-Recruiting
(2:33) – Wer ist Nadine? Vom Ausbildungsbetrieb zur Strategieberaterin
(4:13) – Wie steht es aktuell um das Azubi-Recruiting?
(8:07) – Passung statt Masse: Warum nicht jeder Bewerber der richtige ist
(10:23) – Die Botschaft entscheidet – Recruiting beginnt vor der Bewerbung
(13:35) – Sichtbarkeit allein bringt keine passenden Bewerber
(16:09) – Zielgruppen verstehen statt Standardfloskeln verwenden
(18:31) – Wunsch-Azubi definieren: Wen suchen Unternehmen wirklich?
(22:06) – Warum Reichweite eine schlechte Botschaft nur lauter macht
(24:08) – Persona oder Wunsch-Azubi? Zielgruppen greifbar machen
(28:22) – Erst die Positionierung, dann Social Media
(30:00) – Obstkorb & Co.: Warum Standard-Benefits niemanden überzeugen
(35:21) – Social Media als Blick hinter die Kulissen
(36:42) – Sicherheit wird wieder wichtiger für die Generation Alpha
(43:16) – Mitnehmen statt anweisen: Was junge Menschen heute erwarten
(44:31) – Das wichtigste Recruiting-Thema der nächsten Jahre
(47:27) – Wer diese Folge unbedingt hören sollte
(50:14) – Fazit und Verabschiedung
Werte oder Worthülsen? Wenn Erziehung, Erwartung und Ausbildungsalltag aufeinanderprallen.
Jugendliche suchen Sinn. Betriebe messen Leistung.
Und irgendwo dazwischen bricht die Ausbildung ab.
Sabrina Heinze leitet am KIT die Ausbildung von 330 jungen Menschen. Sie ist Ausbildungsleiterin, dreifache Mutter und Forscherin... und hat mit IHK und BIBB genau das untersucht, worüber sonst nur geredet wird: Woher kommt Berufsorientierung wirklich? Aus dem Elternhaus, aus dem Betrieb, aus den Jugendlichen selbst?
Die Ergebnisse tun weh. Azubis wünschen sich fünf, sechs Praktika, um zu wissen, wofür sie brennen... während Betriebe drei Praktika schon als "der weiß nicht, was er will" abstempeln. Jugendliche stellen Sinn ganz nach oben. Ausbilder stellen Performance ganz nach oben. Und dann wundern wir uns über Abbrüche.
Wir reden über Werte, die keiner lebt. Über Care-Arbeit, die in den Zahlen sichtbar wird. Über Väter, die den Beruf vererben wollen... und Söhne, die sich trauen, nein zu sagen. Und über die Frage, ob ein Abbruch wirklich ein Scheitern ist oder einfach ein ehrlicher Wechsel, den wir bloß nicht begleiten.
Kein Generationen-Bashing. Kein "die Jugend von heute". Sondern der ehrliche Blick in den Spiegel: Vielleicht sind die gar nicht so anders als wir vor 20 Jahren. Vielleicht hören wir nur schlechter zu.
Was muss in der Ausbildung sterben, damit sie überlebt?
Kapitel
(0:00) – Intro: Ausbildung. Nur nicht lauwarm.
(1:04) – Werte oder Worthülsen? Das Thema der Folge
(2:02) – Sabrina Heinze: Vom Umweg zur Ausbildungsleitung
(4:24) – Mutter, Führungskraft oder Forscherin?
(5:19) – Selbstständigkeit beginnt im Elternhaus
(10:09) – Wenn Jugendliche Verantwortung nie gelernt haben
(13:18) – Motivation statt Pflicht: Warum manche trotzdem um 6 Uhr da sind
(14:36) – Die große Studie zu Berufsorientierung und Ausbildung
(17:30) – Überraschende Forschungsergebnisse: Jugendliche wollen mehr Praktika
(19:06) – Sinn vs. Leistung: Der Werte-Konflikt zwischen Azubis und Betrieben
(21:54) – Eltern, Care-Arbeit und Berufsorientierung
(24:45) – Praktika als Investition statt Zeitverlust
(27:40) – Berufsorientierung oder Berufung finden?
(29:31) – Warum Sinn heute wichtiger ist als Sicherheit
(32:04) – Wie Unternehmen Sinn glaubwürdig vermitteln können
(36:09) – Was Jugendliche wirklich unter Sinn verstehen
(39:22) – 330 Azubis: Onboarding als Gemeinschaftserlebnis
(42:03) – Was Jugendliche heute wirklich von Ausbildung erwarten
(46:13) – Das Buch zur Studie: Wann die Ergebnisse erscheinen
(47:54) – Ausbildungsabbrüche neu denken: Coaching statt Scheitern
(50:37) – Kommunikation auf Augenhöhe als Schlüssel
(52:02) – Was Ausbilder heute von Azubis lernen können
(52:58) – Abschluss: Mensch sein, Mensch sein lassen