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Nach dem Ausbildungsstart ist nicht Schluss: Warum das 5. Quartal bessere Übergänge braucht

Nach dem Ausbildungsstart ist nicht Schluss: Warum das 5. Quartal bessere Übergänge braucht

Am 1. Oktober ist der Kalender umgeschlagen. Viele Ausbildungen haben begonnen, die Begrüßungsfotos sind gemacht, die ersten Stunden in der Berufsschule liegen hinter den neuen Azubis.

Und trotzdem suchen noch junge Menschen einen Ausbildungsplatz.

Gleichzeitig gibt es Betriebe, deren Stelle frei geblieben ist oder kurzfristig wieder frei wird. Für beide Seiten beginnt eine Phase, die in vielen Organisationen nur als Nachlauf der eigentlichen Saison behandelt wird. Genau darin liegt ein Fehler.

Meine These: Das sogenannte 5. Quartal ist kein Restposten des Ausbildungsmarketings. Es ist eine eigene Übergangsphase. Wer sie mit klaren Zuständigkeiten, realistischen Einblicken und schnellen Entscheidungen organisiert, verbessert nicht nur die Besetzung. Er macht auch den Einstieg in Ausbildung verlässlicher.

Ausbilderin und Jugendlicher planen gemeinsam einen späten Ausbildungsstart
Später Einstieg: Ein Ausbildungsstart braucht auch nach dem 1. Oktober einen konkreten Plan.

Das Ausbildungsjahr endet – die Suche nicht

Die Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit arbeitet mit einem Berichtsjahr vom 1. Oktober bis zum 30. September. Für die Zeit danach gibt es eine eigene Betrachtung: das sogenannte 5. Quartal. Gemeint sind Bewerberinnen, Bewerber und Ausbildungsstellen, die einen Ausbildungsbeginn zwischen Oktober und Dezember anstreben.[1]

Das klingt nach einer statistischen Fußnote. Für die Praxis ist es eine wichtige Unterscheidung. Wer am 1. Oktober noch keine Ausbildung begonnen hat, ist nicht automatisch aus dem Rennen. Und eine Stelle, die nach dem regulären Start noch offen ist, ist nicht automatisch unvermittelbar.

Die BA-Auswertung zur Nachvermittlung für 2025/26 zeigt die Größenordnung dieser Übergangsphase: Von Oktober 2025 bis Januar 2026 suchten 84.000 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber eine Ausbildung mit sofortigem Beginn. Dem standen 64.000 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen gegenüber. Im Januar waren 41.000 noch unversorgt; zugleich blieben 13.000 betriebliche Stellen unbesetzt.[2]

Diese Zahlen stammen aus der BA-Ausbildungsmarktstatistik. Sie bilden also nur die bei Agenturen für Arbeit und Jobcentern gemeldeten Personen und Stellen ab. Sie sind keine vollständige Zählung des gesamten Ausbildungsmarktes.[1][2]

Trotzdem steckt darin ein klarer Hinweis: Nach dem offiziellen Ausbildungsstart gibt es weiterhin Bewegung – und zwar auf beiden Seiten.

Der Übergang braucht einen anderen Prozess

Im Sommer funktioniert Recruiting oft wie eine Kampagne. Stellen werden sichtbar gemacht, Gespräche gebündelt, Entscheidungen getroffen. Nach dem Start braucht es etwas anderes: weniger Reichweite, mehr Passung und deutlich kürzere Wege.

Ein Betrieb sollte jetzt nicht einfach dieselbe Ausschreibung erneut veröffentlichen. Er sollte zuerst klären, was sich verändert hat.

Ist die Stelle tatsächlich noch frei? Ist der Einstieg im Oktober oder November organisatorisch möglich? Welche Inhalte können nachgeholt werden? Wer begleitet die Person in den ersten Wochen? Und wer entscheidet, ob ein Praktikum oder eine Einstiegsqualifizierung der bessere Zwischenschritt ist?

Die Einstiegsqualifizierung der Bundesagentur für Arbeit ist ein sozialversicherungspflichtiges Praktikum, das auf eine Ausbildung vorbereitet. Für Arbeitgeber nennt die BA eine Dauer von mindestens vier bis höchstens zwölf Monaten; der Förderzeitraum beginnt frühestens am 1. Oktober.[3]

Das ist kein Trick, um eine Ausbildung zu verschieben. Es ist ein eigener Einstieg mit eigenen Regeln. Genau deshalb muss er auch so erklärt werden.

Ausbildungsteam prüft Übergangsmöglichkeiten zwischen Praktikum und Ausbildung
Übergabe statt Restposten: Zuständigkeiten machen den späten Einstieg möglich.

Drei Übergaben, die nicht verloren gehen dürfen

Erste Übergabe: von der Suche in den Betrieb.

Viele Jugendliche kommen spät in den Prozess. Sie brauchen dann nicht noch eine allgemeine Imagebotschaft, sondern eine konkrete Antwort: Was würde ich hier ab morgen tun? Wer erklärt mir die ersten Aufgaben? Was passiert, wenn ich fachlich noch nicht alles kann?

Zweite Übergabe: von der Berufsberatung zur betrieblichen Entscheidung.

Wenn ein Kontakt über Agentur, Jobcenter, Schule oder Träger entsteht, darf er nicht in einem Sammelpostfach verschwinden. Eine feste Person im Betrieb sollte innerhalb kurzer Zeit zurückrufen. Nicht erst, wenn die nächste Bewerbungsrunde beginnt.

Dritte Übergabe: vom Kennenlernen zum Ausbildungsstart.

Ein später Einstieg ist kein Grund, die ersten Tage zu improvisieren. Im Gegenteil: Je weniger Vorlauf bleibt, desto wichtiger sind ein überschaubarer Wochenplan, ein Ansprechpartner und ein ehrliches Gespräch über die Lücken, die nachgeholt werden müssen.

Das ist Onboarding unter Zeitdruck. Aber auch unter Zeitdruck bleibt es Onboarding.

Was Betriebe in dieser Phase konkret prüfen sollten

Ein sinnvoller 5.-Quartal-Prozess kann klein anfangen:

  1. Offene Stelle prüfen: Ist der Ausbildungsplatz mit Aufgaben, Arbeitszeit, Berufsschule und Startdatum noch aktuell?
  2. Einstieg beschreiben: Was passiert am ersten Tag, in der ersten Woche und im ersten Monat?
  3. Unterstützungsbedarf klären: Welche fachlichen oder organisatorischen Hürden sind bekannt – und wer hilft dabei?
  4. Entscheidungsweg verkürzen: Wer darf nach einem Kennenlernen verbindlich über den nächsten Schritt entscheiden?
  5. Nach vier Wochen sprechen: Nicht nur fragen, ob alles läuft. Fragen, was noch unklar ist und was anders erlebt wurde als erwartet.

Die Bundesagentur beschreibt die Einstiegsqualifizierung ausdrücklich als Möglichkeit, berufliche Interessen und Stärken besser kennenzulernen und eine spätere Ausbildungsentscheidung fundierter zu treffen.[3] Das passt zu einer einfachen Leitidee: Ein später Einstieg braucht nicht weniger Verbindlichkeit, sondern eine andere Form von Verbindlichkeit.

Das BIBB stellt für die Entwicklung des Ausbildungsmarktes regelmäßig Daten und Analysen zu Angebot und Nachfrage bereit. Auch daraus folgt keine pauschale Lösung für jeden Betrieb.[4] Aber es stärkt die Notwendigkeit, lokale Entscheidungen nicht nur nach Bauchgefühl zu treffen.

Nicht jede freie Stelle braucht dieselbe Antwort

Eine freie Stelle im Oktober kann drei sehr unterschiedliche Ursachen haben. Vielleicht wurde sie nie besetzt. Vielleicht hat jemand kurzfristig abgesagt. Vielleicht hat eine Vertragslösung stattgefunden. Diese Fälle sehen im Stellenplan gleich aus, brauchen aber unterschiedliche Gespräche.

Wer eine unbesetzte Stelle einfach als „zu spät“ ablegt, verschenkt eine Möglichkeit. Wer jede Person in dasselbe Verfahren zwingt, produziert dagegen neue Umwege.

Die passende Frage lautet deshalb nicht: „Wie bekommen wir noch schnell jemanden?“

Sondern: „Welche Form des Einstiegs ist für diese Person und diesen Ausbildungsplatz jetzt realistisch?“

Das ergänzt die Überlegung, dass <a href=“https://asteffen.de/2026/10/17/vertragsloesung-nicht-ausbildungsabbruch/“>eine Vertragslösung nicht automatisch ein Ausbildungsabbruch</a> ist. Und es führt die Frage weiter, warum <a href=“https://asteffen.de/2026/10/15/ausbildung-beginnt-vor-der-bewerbung-praxiserfahrungen/“>Praxiserfahrungen vor der Bewerbung</a> so wichtig sind: Wenn der Erstkontakt spät kommt, müssen die Einblicke nicht wegfallen. Sie müssen nur anders organisiert werden.

Der 1. Oktober ist kein Schlusspunkt

Ein Ausbildungsjahr beginnt an einem Datum. Eine Bildungsbiografie tut das selten.

Für Betriebe heißt das: Nach dem regulären Start braucht es keinen Aktionismus, sondern einen klaren Übergabeprozess. Eine offene Stelle, ein junger Mensch und eine Fördermöglichkeit ergeben noch keine gute Ausbildung. Erst die Verbindung aus realistischer Information, erreichbarer Ansprechperson und planbarem Einstieg macht daraus eine faire Chance.

Wer das 5. Quartal ernst nimmt, behandelt späte Bewerberinnen und Bewerber nicht als Nachzügler. Und freie Ausbildungsstellen nicht als aussortierte Restposten.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob der Kalender schon weiter ist. Sondern ob der Einstieg noch gut organisiert werden kann.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von mir redaktionell geprüft. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Maßgeblich sind im Einzelfall die aktuellen Originalquellen und eine fachkundige Prüfung.

Sources

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