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Ausbildung endet nicht am Vertrag: Warum Wohnraum zum Recruitingthema wird

Ausbildung endet nicht am Vertrag: Warum Wohnraum zum Recruitingthema wird

Am ersten Tag ist alles vorbereitet. Der Arbeitsplatz. Die Sicherheitsunterweisung. Vielleicht sogar ein kleines Begrüßungsgeschenk.

Nur die Wohnung fehlt.

Die neue Auszubildende steht mit einem Koffer vor dem Betrieb und rechnet im Kopf: Miete, Fahrtweg, Kaution, Berufsschule. Der Ausbildungsplatz ist unterschrieben. Der Alltag ist trotzdem noch nicht möglich.

Fast zwei Drittel der von der DIHK befragten Ausbildungsbetriebe sehen Handlungsbedarf beim Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende. Die Umfrage bezieht sich auf 14.058 Unternehmen, die im Mai 2026 online befragt wurden. Sie ist keine allgemeine Wohnungsmarktstatistik. Sie zeigt aber sehr deutlich, dass Wohnraum in vielen Betrieben längst als Ausbildungsfrage ankommt.[1]

Meine These: Wer Nachwuchs gewinnen will, darf Recruiting nicht am unterschriebenen Vertrag beenden. Gerade bei jungen Menschen, die für Ausbildung umziehen oder aus dem Ausland kommen, wird die erste erreichbare Wohnung Teil des Ausbildungsangebots.

Der Vertrag löst noch nicht das Ankommen

Ein Ausbildungsplatz ist eine Zusage. Aber noch kein funktionierender Start.

Wer am Ausbildungsort niemanden kennt, braucht mehr als einen Link zu einem Immobilienportal. Welche Stadtteile sind mit Bus und Bahn erreichbar? Welche Unterlagen werden für ein Zimmer verlangt? Gibt es eine Wohnheimplatz-Option? An wen kann sich die Person wenden, wenn die erste Zwischenlösung nach vier Wochen endet?

Das sind keine privaten Nebensachen, die ein Betrieb vollständig übernehmen müsste. Es sind jedoch reale Bedingungen dafür, ob ein Ausbildungsangebot angenommen und durchgehalten werden kann.

Der Ausbildungsmarkt liefert dafür den Hintergrund: Das BIBB meldete für den Stichtag 30. September 2025 rund 476.000 neu abgeschlossene duale Ausbildungsverträge. Gleichzeitig stieg die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber auf 39.900 – ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2007.[2] Destatis weist für 2025 rund 461.800 begonnene duale Ausbildungen aus. Der Unterschied erklärt sich aus den unterschiedlichen Erhebungen und Abgrenzungen; beide Werte sind deshalb nicht direkt gleichzusetzen.[3]

Die Zahlen beweisen nicht, dass fehlender Wohnraum die Hauptursache jeder unbesetzten Stelle ist. Sie machen aber eine andere Frage dringlich: Wie viele passende Menschen verlieren Betriebe, weil der Weg zum Ausbildungsort praktisch nicht machbar ist?

Wohnraum ist kein Bonus, sondern eine Zugangsvoraussetzung

In Berlin oder Hamburg wird das Problem besonders sichtbar. Laut DIHK sehen dort neun von zehn Betrieben Handlungsbedarf beim bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende.[1]

Das ist kein Argument dafür, dass jeder Betrieb Wohnungen bauen muss. Es ist ein Argument gegen die bequeme Annahme, Recruiting ende mit einer Stellenanzeige.

Ein Betrieb kann zum Beispiel:

  • vor Vertragsabschluss ehrlich erklären, welche Wohnkosten und Fahrtzeiten am Standort realistisch sind;
  • eine aktuelle Liste regionaler Wohnheime, Jugendwohnangebote, Wohnungsbaugesellschaften und Beratungsstellen pflegen;
  • mit anderen Unternehmen, der Kammer oder der Kommune über Kontingente und Vermittlungswege sprechen;
  • die ersten Wochen so planen, dass eine vorübergehende Unterkunft nicht sofort zum Ausbildungsabbruch führt;
  • eine feste Ansprechperson benennen, die nicht nur am ersten Tag erreichbar ist.

Vier von zehn befragten Betrieben wünschen sich laut DIHK bessere Informationen und einen vereinfachten Zugang zu finanziellen Hilfen wie Berufsausbildungsbeihilfe oder Wohngeld. Das ist auch ein Hinweis auf ein Prozessproblem: Unterstützung nützt wenig, wenn niemand weiß, welche Hilfe passt und wo der Antrag beginnt.[1]

Besonders relevant wird die Frage bei internationaler Nachwuchsgewinnung

Mehr als jeder zweite Betrieb sieht Auszubildende aus Drittstaaten als Chance für die eigene Fachkräftesicherung. Rund ein Drittel hat bereits versucht, solche Auszubildenden einzustellen; neun von zehn dieser Betriebe waren dabei erfolgreich.[1]

Das klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte. Es verschiebt den Blick aber auch auf die Phase nach der Zusage.

Wer neu in Deutschland ist, verfügt häufig nicht über ein regionales Netzwerk und kennt den Wohnungsmarkt nicht. Die DIHK nennt bezahlbaren Wohnraum deshalb als eine der Herausforderungen für diese Form der Fachkräftesicherung.[1] Ein Betrieb, der internationale Bewerber:innen gewinnen möchte, sollte die Wohnraumsuche nicht als individuelles Organisationsproblem behandeln, das nach Vertragsunterzeichnung aus dem eigenen Zuständigkeitsbereich fällt.

Praktisch kann das bedeuten: Ein Kontakt zur Ausländerbehörde ersetzt keine Wohnung. Eine Willkommensmappe ersetzt keine Begleitung. Und eine Übersetzung des Mietvertrags ersetzt keine faire Chance, überhaupt ein Zimmer besichtigen zu können.

Der sinnvollere Ansatz ist ein kleiner, klarer Ankommensprozess. Vor dem Start klärt jemand die wichtigsten Fragen. In der ersten Woche gibt es Unterstützung bei Wegen und Formalitäten. Nach einem Monat wird nachgefragt, ob die Wohnsituation stabil ist. Nicht als Kontrolle. Als Teil guter Ausbildungsbegleitung.

Der erste Wohnraum-Check gehört in die Ausbildungsplanung

Betriebe müssen dafür kein großes Programm erfinden. Ein halber Arbeitstag reicht, um den eigenen Prozess sichtbar zu machen.

Erstens: Welche Wohnsituation ist für eine neue Auszubildende am Standort realistisch? Nicht theoretisch, sondern mit den aktuellen Kosten und Fahrtzeiten.

Zweitens: Welche drei Stellen helfen wirklich weiter – und wer hält die Informationen aktuell? Eine Liste mit veralteten Links ist keine Unterstützung.

Drittens: Was passiert, wenn die Person sechs Wochen vor Ausbildungsbeginn noch keine Unterkunft hat? Wer entscheidet dann über eine Zwischenlösung, einen späteren Start in einzelnen Abläufen oder zusätzliche Beratung?

Viertens: Welche Hilfe kann der Betrieb selbst leisten, ohne private Abhängigkeiten zu schaffen? Ein Kontakt, eine Besichtigung, ein Hinweis auf Beratung oder ein Netzwerk kann viel bewirken. Eine dauerhafte informelle Wohnlösung im Betrieb braucht dagegen klare Regeln und Schutz für beide Seiten.

Ein mittelständischer Betrieb könnte daraus einen einfachen Ablauf machen: Nach der Vertragszusage erhält der Azubi nicht nur die Personalunterlagen, sondern einen Standort-Check mit realistischen Mietspannen, ÖPNV-Verbindungen, Beratungsstellen und einer Ansprechperson. Sechs Wochen vor Beginn findet ein kurzer Termin statt. Drei Wochen nach dem Start wird nachgefragt, ob die Wohnungssuche abgeschlossen ist und ob der Arbeitsweg funktioniert.

Das ist kein Luxusprogramm. Es ist eine Übersetzung von Recruiting in Alltag.

Nachwuchsgewinnung wird konkreter, wenn sie den Alltag ernst nimmt

Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Das DIHK-Ergebnis zeigt zugleich, dass Betriebe an Ausbildung festhalten und ihre Absolventinnen und Absolventen mit großer Mehrheit übernehmen wollen.[1] Gerade dann lohnt sich der Blick auf die Bedingungen zwischen Zusage und langfristiger Bindung.

Ein guter Ausbildungsbetrieb verspricht nicht, jedes private Problem zu lösen. Er zeigt aber, dass er die echten Hürden kennt.

Das gilt auch für modernisierte Ausbildungsberufe: Ein modernes Berufsbild wird erst dann attraktiv, wenn der Alltag greifbar wird. Dazu gehören Aufgaben, Lernzeit und Feedback – und manchmal eben die Frage, ob ein junger Mensch morgens überhaupt pünktlich am Arbeitsplatz ankommen kann. Zum Beitrag über modernisierte Ausbildungsberufe

Der entscheidende Satz im Recruiting lautet deshalb nicht: „Wir haben einen Ausbildungsplatz für dich.“

Sondern: „Wir haben verstanden, was du brauchst, damit du hier anfangen und bleiben kannst.“

Wer den eigenen Prozess prüfen will, kann heute mit einer einzigen Frage beginnen: Was passiert bei uns, wenn der Vertrag unterschrieben ist, aber noch keine Wohnung gefunden wurde?

Die Antwort zeigt ziemlich schnell, ob das Unternehmen nur Nachwuchs sucht – oder tatsächlich Ankommen ermöglicht.

Ausbildungsleiter übergibt einem Auszubildenden Schlüssel und Kalender am Übergang zwischen Werkstatt und Wohnhaus
Ein guter Ausbildungsstart beginnt manchmal mit einer erreichbaren Wohnung.
Ausbildungsleiter und zwei Auszubildende planen gemeinsam die ersten Schritte vom Wohnraum zum Ausbildungsstart
Wohnraum, Wege und Ansprechpartner werden Teil einer konkreten Ankommensplanung.

Sources

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von mir redaktionell geprüft. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Maßgeblich sind im Einzelfall die aktuellen Originalquellen und eine fachkundige Prüfung.

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