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Ausbildungsmarktbilanz 2025/26: Warum der September kein Schlussstrich sein darf

Ausbildungsmarktbilanz 2025/26: Warum der September kein Schlussstrich sein darf

Am Montag nach dem Ausbildungsstart steht der Ausbilder in der Werkstatt. Zwei Plätze sind noch frei. Nicht, weil niemand gesucht hätte. Sondern weil das richtige Gespräch nicht rechtzeitig am richtigen Ort stattgefunden hat.

Das ist kein seltener Sonderfall. Die neue Ausbildungsmarktbilanz der Bundesagentur für Arbeit zeigt einen Markt, der rechnerisch fast ausgeglichen wirkt – und praktisch trotzdem an vielen Stellen nicht zusammenfindet.[1]

Die These: Wer Ausbildungsrecruiting am 30. September beendet, beendet es genau dort, wo Passung oft erst sichtbar werden kann.

Ausbildungsleiter und junger Bewerber prüfen nach dem Ausbildungsstart einen weiteren Weg in die Ausbildung
Auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart können Betriebe und Bewerber noch zusammenfinden.

Ein fast ausgeglichener Markt, der nicht zusammenpasst

Von Oktober 2025 bis September 2026 wurden der Bundesagentur 469.000 Ausbildungsstellen gemeldet. 453.000 davon waren betriebliche Angebote – 31.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig nutzten 447.000 Bewerberinnen und Bewerber die Ausbildungsvermittlung, 3.000 mehr als im vorherigen Berichtsjahr.[1]

Auf dem Papier kommt damit fast eine Person auf eine betriebliche Stelle: 99 Bewerberinnen und Bewerber je 100 gemeldete Plätze.[1]

Auf dem Papier.

Denn bis Ende September begannen nur 179.000 der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber eine Berufsausbildung. Das waren 12.000 weniger als im Vorjahr. 46.000 junge Menschen waren zu diesem Zeitpunkt unversorgt. Gleichzeitig blieben 48.000 Ausbildungsstellen unbesetzt.[1]

Das ist der Punkt, an dem die übliche Erzählung vom „fehlenden Nachwuchs“ zu kurz greift. Und auch die Erzählung vom „fehlenden Einsatz“ der Jugendlichen erklärt die Zahlen nicht. Der BIBB beschreibt solche Konstellationen als Passungsprobleme: Angebot und Nachfrage treffen sich nicht ausreichend, sodass auf beiden Seiten Menschen beziehungsweise Plätze erfolglos bleiben.[2]

Die Bilanz beweist nicht, dass jeder freie Platz mit einem anderen Auswahlverfahren besetzt werden könnte. Sie zeigt aber sehr deutlich: Die Zahl allein ist keine Strategie. Entscheidend ist, wie ein Betrieb mit unterschiedlichen Wegen, Zeitpunkten, Erwartungen und regionalen Suchräumen umgeht.

Nach dem Stichtag beginnt die eigentliche Arbeit

Die Bundesagentur kündigt an, die Vermittlungsaktivitäten bis zum Jahresende fortzusetzen. Sie rechnet damit, dass sich weitere junge Menschen melden, die wieder oder noch auf der Suche sind. Auch Ausbildungsstellen können wieder frei werden.[1]

Für Betriebe ist das keine Restpostenlogik. Es ist ein zweites Zeitfenster.

Wer jetzt nur die alte Stellenanzeige erneut veröffentlicht, nutzt dieses Fenster nicht. Eine offene Stelle braucht im November eine andere Ansprache als im Frühjahr. Sie muss erklären, was ein Einstieg jetzt konkret bedeutet. Gibt es einen verbindlichen Starttermin? Welche Aufgaben warten in den ersten zwei Wochen? Wer ist ansprechbar? Welche Unterstützung gibt es, wenn schulische Lücken sichtbar werden?

Ein guter Kontakt nach dem offiziellen Ausbildungsstart klingt nicht wie: „Wir hätten da noch etwas frei.“ Er klingt eher wie: „Wir zeigen dir, wie dein Einstieg aussehen kann – und klären gemeinsam, ob dieser Weg für beide Seiten passt.“

Das verändert auch die Rolle der Auswahl. Ein Lebenslauf bleibt ein Signal. Er ist aber nicht der gesamte Beweis für Ausbildungsfähigkeit.

Drei Wege, die ein Betrieb vorbereiten sollte

### 1. Vom Bewerbungsprozess zum Kennenlernen

Ein Betrieb kann einen kurzen, klar gerahmten Praxistermin anbieten. Kein unbezahltes Dauerpraktikum und keine nebulöse „Probearbeit“, sondern ein transparentes Kennenlernen: Was wird beobachtet? Welche Aufgabe wird gemeinsam gelöst? Wer führt das Gespräch danach?

Dabei geht es nicht darum, Anforderungen abzusenken. Es geht darum, Fähigkeiten dort sichtbar zu machen, wo sie gebraucht werden. Pünktlichkeit, Lernbewegung, Fragen, Sorgfalt und der Umgang mit Rückmeldung zeigen sich in einer konkreten Situation oft besser als in einer perfekten Bewerbung.

### 2. Vom direkten Start zur vorbereiteten Brücke

Nicht jeder passende Mensch kann am nächsten Tag in den normalen Ausbildungsrhythmus springen. Vielleicht fehlen Grundlagen. Vielleicht ist die Orientierung noch nicht abgeschlossen. Vielleicht braucht die Person einen realistischen Einblick, bevor sie sich entscheidet.

Dann sollte der Betrieb verschiedene Anschlusswege kennen: eine Einstiegsqualifizierung, ein begleitetes Praktikum, eine nachholende Klärung mit der Berufsberatung oder ein späterer, sauber vorbereiteter Ausbildungsbeginn. Welche Variante passt, hängt vom Einzelfall ab. Die Bilanz der BA nennt neben freien Ausbildungsstellen auch Einstiegsqualifizierungen, außerbetriebliche Ausbildungsstellen und berufsvorbereitende Maßnahmen als mögliche Zugänge.[1]

Wichtig ist die Übersetzung in den Alltag. Nicht „Wir prüfen Fördermöglichkeiten“, sondern: „Du hast eine feste Ansprechperson, lernst drei typische Aufgaben kennen und entscheidest danach mit uns über den nächsten Schritt.“

### 3. Vom Einzelkontakt zur regionalen Suche

Wenn im eigenen Ort niemand passt, ist die Suche nicht automatisch beendet. Aber sie muss realistisch bleiben. Jugendliche und Betriebe suchen nicht abstrakt in Deutschland, sondern in erreichbaren Räumen. Deshalb lohnt es sich, mit Berufsschulen, Berufsberatung, Jugendberufsagenturen, Kammern und benachbarten Betrieben verbindliche Kontaktwege zu pflegen.

Das ist keine große Kampagne. Oft reicht ein kleines Netzwerk, das weiß, wer gerade sucht, welche Plätze wieder frei sind und welche Unterstützung tatsächlich angeboten werden kann.

Der Betrieb sollte dabei nicht nur die eigene Stelle weiterreichen. Er kann auch sichtbar machen, welche Tätigkeiten, Arbeitszeiten und Lernbedingungen ihn von anderen Angeboten unterscheiden. Gerade dort, wo Berufe schwer zu besetzen sind, wird diese Konkretheit zum Teil der Auswahl.

Junger Bewerber, Ausbildungsleiterin und Mentor planen gemeinsam verschiedene Einstiegswege
Passung entsteht, wenn der Einstieg konkret und gemeinsam geplant wird.

Was Ausbildungsleitungen jetzt konkret tun können

Erstens: die offenen Plätze nicht nur zählen, sondern beschreiben. Welche Stelle ist wirklich frei? Welche Aufgaben sind sofort möglich? Welche Voraussetzungen sind unverzichtbar – und welche lassen sich entwickeln?

Zweitens: einen Einstiegspfad auf einer Seite festhalten. Vom Erstkontakt über das Kennenlernen bis zum ersten Ausbildungstag. Mit Namen, Terminen und einer klaren Rückmeldung. Das wirkt unspektakulär. Genau das ist der Vorteil.

Drittens: Absagen und Abbrüche auswerten, ohne Schuldige zu suchen. Wo entsteht die Lücke? Bei der Erreichbarkeit? Bei der Mobilität? Bei den Arbeitszeiten? Bei der Vorstellung vom Beruf? Bei der Begleitung nach dem ersten Tag?

Viertens: nicht auf den perfekten Kandidaten warten. Ein guter Ausbildungsbetrieb muss nicht jeden Menschen einstellen. Er muss aber sauber erkennen können, bei wem Entwicklung realistisch ist und welche Unterstützung dafür gebraucht wird.

Das verlangt mehr Arbeit als eine Stellenanzeige. Aber weniger Arbeit als ein weiteres Jahr mit unbesetztem Platz und der Behauptung, der Markt sei eben schwierig.

Der Stichtag ist eine Zahl. Kein Urteil.

Die Ausbildungsmarktbilanz 2025/26 ist ein Warnsignal: weniger gemeldete betriebliche Angebote, mehr unversorgte Bewerberinnen und Bewerber, weniger Ausbildungsstarts und weiterhin viele unbesetzte Plätze.[1]

Sie ist aber kein Urteil über eine verlorene Generation und auch kein Beweis dafür, dass jeder freie Platz nur auf die falsche Ansprache wartet. Sie zeigt eine Aufgabe: Betriebe müssen ihre Wege zur Ausbildung so bauen, dass unterschiedliche Menschen darin überhaupt sichtbar werden können.

Der September markiert das Ende eines Berichtsjahres.

Für gute Nachwuchsgewinnung ist er eher der Moment, an dem die zweite Runde beginnt.

Sources

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und von mir redaktionell geprüft. Trotz sorgfältiger Bearbeitung können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Maßgeblich sind im Einzelfall die aktuellen Originalquellen und eine fachkundige Prüfung.

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